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Pastoralkonferenz der Russischen Orthodoxen Kirche in Deutschland (1.-3. Oktober 2018)

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Pastoralkonferenz der Russischen Kirche in Deutschland

In Bonn, in der russisch-orthodoxen Kirche „Gottesmutter-Schutz“ (Moskauer Patriarchat) wurde die Pastoralkonferenz der beiden Diözesen der Russischen Kirche (Moskauer Pariarchat und Russische Auslandskirche) eröffnet.
Die Begegnung der Geistlichen begann am 1. Oktober mit einem Abendgottesdienst. Nach dem Gottesdienst und dem Abendessen hatten die Priester die Möglichkeit sich brüderlich auszutauschen. Am Morgen des 2. Oktober begann die Tätigkeit der Konferenz mit der Göttlichen Liturgie, der folgende drei Hierarchen vorstanden: S. E. Mark, Erzbischof von Berlin und Deutschland, S. E. Tichon, Erzbischof von Podolsk, S. E. Agapit, Erzbischof von Stuttgart. Eingeschlossen waren Gebete um die Einheit der Kirche und um den Frieden in der Ukraine, und ebenso das Gedenken des verstorbenen Erzbischofs Feofan, der viele Jahre der deutschen Diözese des Moskauer Patriarchats vorstand.

Die Sitzungen wurden von Erzbischof Tichon eröffnet, der in diesem Jahr der Gastgeber ist. Seine Eminenz gab einen Rückblick auf die bisherigen gemeinsamen Pastoralkonferenzen in Deutschland und ergänzte dies mit einem Ausblick auf die aktuelle kirchliche Situation, da durch das einseitige, unrechtmässige Vorgehen des Patriarchats von Konstantinopel in der Ukraine die Orthodoxie insgesamt gefährdet ist. Erzbischof Mark rief zu einer engeren Kooperation der Gemeinden auf, nicht zuletzt zur Erweiterung der gemeinsamen Abhaltung der Patronats-Gottesdienste in einer Region. Vladyka Mark sprach auch über seine schmerzlichen Erlebnisse und Gefühle sowohl im Zusammenhang mit den Geschehnissen in der Ukraine, als auch in Deutschland infolge der Einstellung – laut Synodalbeschluss – der Konzelebration mit den Bischöfen, die zum Patriarchat von Konstantinopel gehören. Einerseits wird hier die Konzelebration der Priester nicht aufgehoben oder eingeschränkt, andererseits aber enthält der Beschluss der Moskauer Synode eine Einschränkung der Teilnahme an der Arbeit in Kommissionen und Dialogen, in denen die Vertreter Konstantinopels den Vorsitz innehaben. Damit ist die Entfaltung der Orthodoxie in Deutschland betroffen. Die Orthodoxe Bischofskonferenz in Deutschland, in der alle Hierarchen der in Deutschland vertretenen orthodoxen Landeskirchen zusammenarbeiten, haben verschiedene Kommissionen eingesetzt – die Übersetzungskommission und die Theologische Kommission, Koordinatoren für den Ausbau des schulischen orthodoxen Religionsunterrichts… Der Vikarbischof Agapit sprach über seine Besorgnis und wies auf die Tatsache hin, dass die gemeinsame Sprache in der gemeinsamen Arbeit der Orthodoxen hierzulande das Deutsche ist, und dass im Verlauf der letzten zwei Jahrzehnte die Orthodoxie in Deutschland – in der Gesellschaft und bei den staatlichen Stellen – zunehmend, ja endlich als eine Einheit wahrgenommen wird. Das entspricht der Realität der Orthodoxen Kirche und ist ein großer Erfolg, der allerdings jetzt wieder in Frage steht.
Auf dem Hintergrund der Gefahren, die die heutige Situation in sich birgt, riefen die Hierarchen zu verstärktem Gebet für die Einheit der Kirche auf, für ihren Frieden.
Die Bischöfe unterstrichen insbesondere die gute gemeinsame Jugendarbeit der beiden Diözesen. Diese reicht auch über die russischen Diözesen hinaus. Diesem Thema – der Mission unter der Jugend unter den heutigen Bedingungen in Europa – gilt der Vortrag des Priesters Alexej Veselov (Krefeld). Erzpriester Ilya Limberger soll über die Erfahrungen mit dem Aufbau des schulischen Religionsunterrichts berichten, da es in Deutschland eine Reihe von Ländern gibt, in denen der orthodoxe Religionsunterricht Pflichtfach ist.
Alexej I. Osipov, Professor der Moskauer Geistlichen Akademie, hielt einen Vortrag über „Die Wahl des heiligen apostelgleichen Großfürsten Vladimir (zum Jahr 1030 seit der Taufe Russlands)“, in dem er die schicksalsbestimmende Entscheidung des russischen Fürsten charakterisierte. Er setzte die orthodoxe Soteriologie in Kontrast mit den westlichen Varianten des Christentums, mit dem Synkretismus sowie den im gleichen Zusammenhang stehenden diversen neuheidnischen und esoterischen Bewegungen der Neuzeit. Prof. Osipov verband dies mit der orthodoxen Auffassung von der Heiligen Schrift und der Lehre der Kirchenväter, sowie der davon untrennbaren asketischen Praxis. Dem Vortrag folgte eine lebhafte Diskussion.

Der dritte Tag der Pastoralkonferenz ist ein arbeitsfreier gesetzlicher Feiertag. Der 3. Oktober soll mit einer Göttlichen Liturgie beginnen und in zwei Sitzungen sollen aktuelle pastorale Fragen bearbeitet werden.

Abschlusserklärung der Pastoralkonferenz:

"Vom 1. bis 3. Oktober 2018 fand in Bonn eine gemeinsame Pastoraltagung des Klerus der Diözese von Berlin und Deutschland des Moskauer Patriarchats und der Deutschen Diözese der Russischen Orthodoxen Kirche im Ausland unter dem Vorsitz des Erzbischofs von Berlin und Deutschland Mark, des Erzbischofs Tichon von Podolsk, Leiters der Diözese von Berlin und Deutschland, und des Erzbischofs von Stuttgart Agapit statt.

Am 2.und 3. Oktober wurde in der Kirche der hl. apostelgleichen Elena der Gemeinde zu Ehren des Schutzes der allheiligen Gottesgebärerin in Bonn (Moskauer Patriarchat) die Göttliche Liturgie gefeiert. Die Arbeitssitzungen, die den Gottesdiensten folgten, fanden im Pfarrzentrum statt.

Die Teilnehmer der Pastoraltagung haben Vorträge über die Jugendmission der Kirche in Deutschland, die Besonderheiten des Religionsunterrichts an Schulen und über den Entwurf des Dokuments der Interkonziliaren Präsenz zu „Mit dem Priestertum vereinbaren und unvereinbaren Berufen: die Erfahrung des Fernen Auslands“ gehört und diskutiert. Zu den Geistlichen sprach auch der Professor der Moskauer Geistlichen Akademie A.I. Osipov in seinem Vortrag „Zum 1030-jährigen Jubiläum der Taufe der Rus‘. Die Wahl des hl. apostelgleichen Fürsten Vladimir“.

Die Teilnehmer betonten die Wichtigkeit die Weiterentwicklung von pfarrlichen und diözesanen Jugend-Projekten auf dem Territorium Deutschlands und zeigten eine Reihe von aktuellen Problemen und Aufgaben im Hinblick auf die Tätigkeit der Vertreter der Russischen Orthodoxen Kirche im schulischen Bildungssystem auf. Nach der Diskussion des Entwurfes des Dokuments über die Möglichkeit der Kombination des geistlichen Dienstes mit einer säkularen Arbeit wurde beschlossen, den Text der geäußerten Anmerkungen und Ergänzungen an die Fachkommission der Interkonziliaren Präsenz zu senden.

Am Ende des zweiten Tag des Treffens wurden die Ergebnisse der zweitägigen Arbeit zusammengefasst.

Aufgrund der Ergebnisse der geführten Diskussionen und Beurteilungen stellen die Teilnehmer der Tagung fest, dass in den letzten Jahrzehnten in Deutschland dank der gemeinsamen Tätigkeit der Erzhirten und der Geistlichkeit der orthodoxen Diözesen verschiedener Jurisdiktionen positive Veränderungen in Bezug auf die Rolle und Positionierung der Orthodoxie in den sozialpolitischen, Bildungs- und kulturellen Bereichen der Bundesrepublik Deutschland erfolgt sind.

Dank der Tätigkeit der Orthodoxen Bischofskonferenz in Deutschland (OBKD), die 2010 auf der Basis der seit 1994 bestehenden Kommission der Orthodoxen Kirchen in Deutschland (KOKiD) gegründet wurde, entwickeln sich in Zusammenarbeit mit dem Staat kirchliche Vorhaben zum Religionsunterricht in allgemeinbildenden Schulen, zur Seelsorge in Gefängnissen und Pflegeheimen, zur Integration von orthodoxen Migranten aus den Ländern Osteuropas und des Nahen Ostens, zur Jugendarbeit weiter.

Aufgrund der klaren Koordinierung und der konsolidierten Position der orthodoxen Bischöfe Deutschlands genießt die Orthodoxe Kirche Respekt seitens des Staates und der Gesellschaft und hat die Möglichkeit der freien, kreativen Tätigkeit und des Schutzes ihrer Interessen. Die Bischöfe der Russischen Orthodoxen Kirche, die an der Arbeit der Bischofskonferenz teilnehmen, bringen ihrerseits Initiativen ein, die das Leben beider Diözesen unter Berücksichtigung der aktuellen Möglichkeiten und Bedürfnisse der letzteren betreffen.

Im Zusammenhang mit der Tätigkeit des Patriarchats von Konstantinopel in der Ukraine und aufgrund der darauf erfolgten Komplikationen in den zwischen-orthodoxen Beziehungen in der gegenwärtigen Welt, traf der Heilige Synod der Russischen Orthodoxen Kirche am 14. September 2018 eine Entscheidung, die Bischöfen der Russischen Kirche die Möglichkeit der Teilnahme an Strukturen nimmt, wo die Vorsitzenden oder Co-Vorsitzenden Vertreter des Patriarchats von Konstantinopel sind. Mit dem Ausdruck ihrer Besorgnis darüber rufen die Teilnehmer der Tagung dazu auf, die Gebete für die Einheit der Heiligen Orthodoxie zu verstärken und zusammen mit den Bischöfen und den Geistlichen der anderen in Deutschland vertretenen Diözesen der Lokalen Orthodoxen Kirchen Anstrengungen zur Lösung der sich verkomplizierenden Situation zu unternehmen."

 

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