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Startseite Geschichte Die Kapelle des hl. Nikolaus an der Kathedrale

Kathedrale der Hll. Neumärtyrer und Bekenner Russlands in München

der Russischen Orthodoxen Kirche im Ausland

Die Kapelle des hl. Nikolaus an der Kathedrale

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Gottesdienste zur Feier des Patronatfestes zu Ehren des Hl. Nikolaus, Wundertäter von Myra aus Lykien
Dienstag, d. 21. Mai 2024 um 18:00  Uhr - Nachtwache (Vigil)
Mittwoch, d. 23. Mai 2024 um 9:00 Uhr - Göttliche Liturgie

Kapelle des Hl. NikolausZur Geschichte - Fotogalerie: Kapelle Hl. Nikolaus , Kirchenbau - Film -

Während des Zweiten Weltkrieges hielt die Münchner Gemeinde der Deutschen Diözese ihre Gottesdienste (in kirchenslawischer und griechischer Sprache) in der historischen Salvatorkirche im Zentrum Münchens ab. Traditionell gehörte die Salvatorkirche der griechischen Gemeinde, die die Kirche nach dem Krieg wieder voll in Besitz nahm, während die russische Gemeinde des hl. Nikolaus infolge der stark angewachsenen Zahl von russischen Gläubigen in München als eine von 14 russisch-orthodoxen Gemeinden in München 1946 in den großen Saal des Nebengebäudes (einst Markthalle, dann Musikschule) umzog. Auch die Bischofssynode mit dem Oberhaupt der Russischen Auslandskirche, Metropolit Anastasij (Gribanovskij, + 9/22.5.1965), befand sich in München.

Das Hauptkontigent der nach dem Krieg in Deutschland verbliebenen, der Zwangsauslieferung an das Stalin-Régime entkommenen Russen wanderte nach Übersee aus. Die Bischofssynode zog im November 1950 in die USA um. Die Zahl der Gemeinden in München schmolz dahin. Die Hl.-Nikolaus-Gemeinde verfügte über den größten Gottesdienstraum, und nach dem Tod von Erzbischof Benedikt (Bobkovskij, + 1951) bestimmte das neue Oberhaupt der Deutschen Diözese, Erzbischof Alexander (Lowtschij, + 1973) diesen Ort  am 9/22. Mai 1952 zu seiner Kathedralkirche.

Ende der 70-er Jahre entschloss sich die neue Generation, Mittel für den Bau einer Kirche zu sammeln und nach einem geeigneten Grundstück Ausschau zu halten. Nach der Verherrlichung der hll. Neumärtyrer und Bekenner Rußlands durch die Russische Auslandskirche im November 1981 beschloss man, daß die künftige Münchner Kathedrale diesen neuverherrlichten russischen Heiligen gewidmet sein sollte. Aber zugleich sollte nicht auf den Schutz des dem russischen gläubigen Herzen so nahen Heiligen Nikolaus verzichtet, sondern ihm - nach Möglichkeit - ein Altar, oder eine Seitenkapelle gewidmet werden.

Über Jahre hinweg blieben die Versuche erfolglos, ein geeignetes Grundstück für den Kirchenbau zu erwerben. Als die amerikanische Armee nach der Vereinigung Deutschlands ihr Kontingent kürzte, konnten die russisch-orthodoxen Gläubigen die neue Situation nutzen und wurden schließlich im Dezember 1993 zu Eigentümern der Kirche samt umgebendem Grund in der geräumten einstigen amerikanischen Siedlung neben dem Friedhof "Am Perlacher Forst" im Münchner Süden.

Unschwer erblickt man hier die göttliche Fügung: Am 13.07.1943 wurde im Gefängnis von Stadelheim, das im Norden an den besagten Friedhof grenzt, das junge Mitglied derselben Münchner Gemeinde, Alexander Schmorell durch das Fallbeil hingerichtet, weil er ein Mitbegründer der "Weißen Rose", des bekannten studentischen Widerstands gegen den Nationalsozialismus war. Die Gemeinde ehrte sein Gedächtnis zusammen mit den Neumärtyrern Rußlands und hielt Totengottesdienste an seiner Grabstätte auf dem Friedhof "Am Perlacher Forst". Unmittelbar vor dem Erwerb der Kirche entdeckte ein deutscher Historiker zufällig die Gestapo-Akte von Alexander Schmorell in Moskau, im ehemaligen "Besonderen Archiv". So wurden der Gemeinde erstmals die Vernehmungsprotokolle mit zahlreichen bis dahin unbekannten Fakten zugänglich, und zum 50. Jahrestag der Hinrichtung von Alexander Schmorell erschien ein Artikel in der Diözesanzeitschrift "Der Bote der deutschen Diözese" (3/1993).

Außerdem erwies sich, daß auf demselben Friedhof unmittelbar gegenüber der Kirche (Feld 88) nahezu 500 russische "Ostarbeiter" und Kriegsgefangene derselben historischen Epoche beerdigt sind. Ihr Schicksal ist den Münchner Gemeindemitgliedern nahe, hat es doch viele von ihnen, oder deren Eltern im gleichen Sturm des Zweiten Weltkriegs nach Deutschland verschlagen.

Zuguterletzt: Als die Amerikaner noch in der Siedlung stationiert waren, gelang es der Gemeinde, bereits in der Hoffnung auf die Zukunft, mehrmals Bittgottesdienste in der damals noch "amerikanischen Armeekirche" abzuhalten. Bei einem dieser "Moleben" war die myronspendende Gottesmutterikone von Iveron im Zentrum des Gotteshauses aufgestellt. Der Hüter der Ikone, José Muñoz (aus Montreal), schlug dem Gemeindepriester Nikolai Artemoff am Ende des Bittgottesdienstes vor, um die Kirche zu gehen und die Mauern der Kirche mit einem vom wohlriechenden, von der Ikone gespendeten Myron durchtränktem Wattebausch zu salben. Als dies geschehen war, strahlte José mit seinem eigentümlichen Lächeln über das ganze Gesicht und verkündete triumphierend: "Die Kirche gehört uns!" Einige Jahre später war diese Prophezeiung Wirklichkeit.

Zunächst bedurfte die nach Art einer Basilika gebaute Kirche eines inneren Umbaus. Am 6. Februar 1994, dem Fest der heiligen Neumärtyrer und Bekenner Rußlands, wurde in der östlichen Wand des Altarraums ein Stein mit einer Inschrift und innen einer Schriftrolle eingesetzt, und im Zentrum des Altarraums, an der Stelle des künftigen Altartisches, wurde ein Kreuz errichtet. Nun konnte der Umbau beginnen, der zum Pfingstfest abgeschlossen war, so dass am Sonntag, dem 12. Juni, das erste Pontifikalamt in der erneuerten Kirche gehalten werden konnte.

Nach dem Umzug der russischen Gemeinde in ihre neue Kirche diente die Seitenkapelle notgedrungen zunächst als Abstellraum. Zur Abhaltung von Gottesdiensten war sie ungeeignet - ein langgezogener Raum (9m x 3,40 m), in dem es schwierig gewesen wäre, einen für orthodoxe Gottesdienste geeigneten Altarraum mit Ikonostase zu schaffen. Ende des Jahres 1995 wurde dann die Nordwand der Kapelle niedergerissen, um den Raum um ein Drittel zu verbreitern (1,70 m), die Ostwand wurde geöffnet und eine Apsis angebaut, um Platz für den Altarraum zu schaffen. Auf der Westseite, wo eine Art Betonhäuschen als überdachter Eingang fungierte,  entstand ein eigener Eingangsbereich (4,30 m x 2,50 m). Der Eingang wurde passend zum künftigen Haupteingang vor dem im Pskover Stil geplanten Glockenturm gestaltet. Bauarbeiten

Am Versöhnungssonntag 1997 vollzog Erzbischof Mark die kleine Weihe der Kapelle. Zwei Tage zuvor war die Ikonostase fertiggestellt worden. Freilich, zu dem Zeitpunkt war sie, ausser der Königspforte (s. unten), nur mit provisorisch auf Pappe geklebten Ikonendrucken versehen. Zu Spenden für gemalte Ikonen wurde aufgerufen (s. Bote 2 + 3/1997).

Mit der Erweiterung der Kapelle wurden auf der Südseite sowohl der Eingangsbereich des Saales als auch die Küche ausgebaut. Die äußere Gestaltung der Kirche insgesamt lag in den Händen des Gemeindemitgliedes Wadim A. Jessikowski (vor kurzem noch Kirchenältester). Die Ausführung leitete Dipl. Ing. Herbert Krach. Sämtliche Dachdeckerarbeiten besorgte Georgi Rushchak, ebenso wie den Helm über dem Kapelleneingang, in dem ein achtendiges vergoldetes orthodoxes Kreuz befestigt wurde. Am Mittwoch der Karwoche 1998 wurde die von der Familie Tittmannn gespendete und von Sigismund Unterrainer (Brixen, Österreich) ausgeführte Kuppel mit Kreuz von Erzbischof Mark geweiht und auf das Dach der Kapelle des Hl. Nikolaus erhoben (Bote 3/1998).

IkonostaseDie aus dunklem Eichenholz geschnitzte Ikonostase ist ein Werk russischer Hände: die Knechte Gottes Andrej (der jetzt Priester ist), Sergij und Vadim baten, man möge ihrer in den Gebeten gedenken. Den Boden, ebenfalls in Eiche, verlegte ein Gemeindemitglied - Vassili Karalionok. Die Ausmalung der Kapelle besorgte Tamara Sikojev, die Gattin des damaligen Diakons der Kathedrale, André Sikojev (nunmehr Priester in Berlin). Sie arbeitete an der Wandmalerei mit zwei längeren  Unterbrechungen vom Sommer 1998 bis zum Sommer 2000. Berater bei der künstlerischen Gestaltung war Priestermönch Evfimij (Logvinov) aus dem Kloster des Hl. Hiob von Počaev (München). Er war, bevor er sich dem Mönchsleben zuwandte, in den bekannten mit der Ikonenmalerei befassten Moskauer Restaurationswerkstätten von I. Grabar tätig.

All diese Jahre und bis zum heutigen Tag wurden in der Seitenkapelle des Hl. Nikolaus Gottesdienste abgehalten - werktags an kleineren Festtagen sowie während der Großen Fastenzeiten. Nicht zuletzt finden hier deutschsprachige Gottesdienste mit einem eigenen Chor statt, z. B. Mittwoch abends und jeweils am 3. Sonntag des Monats die Göttliche Liturgie. Ebenso wird in der Kapelle getauft (durch dreimaliges Untertauchen, für Erwachsenentaufen gibt es eigens ein entsprechendes Holzfass). Darüber hinaus werden hier Bittgottesdienste (Moleben) und Totengedenken, Hochzeiten mit kleiner Gesellschaft, Krankensalbung u. s. w. abgehalten.

Nachdem im Jahre 2000 der Glockenturm erbaut wurde, bildet die Kirche zusammen mit der Seitenkapelle eine architektonische Einheit.

Innenbeschreibung der Kapelle des Heiligen Nikolaus

IkoneIkone des Kirchenpatrons
Die alte russische Ikone des Hl. Nikolaus liegt rechts vor der Ikonostase auf dem Analogion (Ikonenpult). Der geschnitzte Rahmen ist die Arbeit des Künstlers Sergej Boguslavskij (Kopenhagen, Moskau), ebenso wie die Rahmen der ebenfalls auf Pulten liegenden Ikonen des Erlösers und der Gottesmutter. Zur Herkunft der Ikone: Archimandrit Germogen (Kivatchuk), in der Zeit des Zweiten Weltkriegs Geistlicher in der Deutschen Diözese der Russischen Auslandskirche und später Vertreter des Patriarchen von Konstantinopel in Rom, überließ diese Ikone seinem Verwandten, einem alteingesessenen Münchner Gemeindemitglied, Boris Murin. Zuvor gehörte die Ikone einem frommen russischen Ehepaar, von dem lediglich bekannt ist, dass es sehr reich war, aber in der russischen Revolution all seines Eigentums verlustig ging und 1919 ins Ausland kam. Diese Ikone war das Einzige, was die gläubigen Eheleute bewahrten durch ihr gesamtes Leben, welches voller Prüfungen war. Sie starben einsam in der Fremde ohne Erben. Auch der Geistliche, der die Ikone in Empfang genommen und weitergegeben hatte, ist verstorben. Mehr ist daher nicht bekannt. Umso deutlicher aber steht vor Augen: Wie ihren Augapfel hüteten diese Menschen in ihrer Verarmung das Bild des Heiligen Nikolaus. Er war für sie der lebendige Glanz ihres russisch-orthodoxen Glaubens in einer fremden Welt. B. Murin brachte die Ikone in die Kapelle, als die Ikonostase und Ausmalung vollendet waren. Sie vollendete spürbar die Inneneinrichtung. Das Antlitz des Heiligen bringt eine wunderbare Kraft und einen himmlischen Frieden in die Herzen derer, die es im Gebet verehren.

IkonostaseIkonostase
Die zentrale Tür der Ikonostase - die Königspforte - ist das Werk des berühmten Ikonenmalers Nikolai Schelechow (Kanada). Seine Ikonen zieren auch die Ikonostase und die Wände des großen Gotteshauses. Jedoch musste im Vergleich mit der früheren Ikonostase (Salvatorplatz) die neue Ikonostase in der großen Kirche verbreitert werden, so dass auch die Königspforte wesentlich größer zu gestalten war - für sie wurden neue Ikonen angefertigt. So fand die kleinere Königspforte ihre Verwendung in der Seitenkapelle. Auf den Flügeln oben ist, den Regeln entsprechend, die Verkündigung Mariens ("Evangelismos": links der Engel, rechts die Gottesmutter, die die frohe Kunde staunend hört); im unteren Teil aber sind nicht die vier Evangelisten, sondern zwei aufrecht stehende Kirchenväter des vierten Jahrhunderts, deren Liturgien im Wesentlichen in der Orthodoxen Kirche gefeiert werden: Basilius der Große und Johannes Chrysostomos. Vorbild hierfür war eine Königspforte in Nowgorod. Auf den Pfosten rechts und links an der Königspforte sehen wir, in der Erweiterung dieser Thematik, Ikonen der beiden anderen Kirchenväter, deren Liturgien von der Orthodoxen Kirche gefeiert werden: Gregor der Große, Dialogos, Papst von Rom, und Jakobus, der erste Bischof von Jerusalem, Bruder des Herrn. Über diesen sind die kleinen Ikonen des Erlösers und der Gottesgebärerin, die beim Einzug durch die Königspforte geküßt werden, und darüber die Cherubime. Diese Ikonen malte Konstantin Fedorets (USA). Geschnitzte Engel beschatten die Königspforte von oben mit Fächern (Ripiden).

Abgesehen von den geschnitzten Ornamenten sind auf der Ikonostase auch zwei Relief-Ikonen auf den Türpfosten der Seitentüren zu sehen: nördlich – der Hierarch und Bekenner Tichon, Patriarch von Moskau (+1925), und südlich – der Hl. Erzbischof von Shanghai und San Francisco, Ioann (+1966).

Alle anderen Ikonen in der Ikonostase sind von Tamara Sikojev.

In der Großen Fastenzeit finden viele Gottesdienste in der Kapelle statt. Diese Thematik schlägt sich folgendermaßen nieder: auf der nördlichen Seitenpforte sehen wir den reuigen Räuber, der sein Kreuz trägt und zu Christus emporschaut, auf der südlichen Pforte ist der Prophet Daniel in der Löwengrube - da er gefastet hatte, taten ihm die Löwen kein Leid an. Die Verwendung dieser Themen auf den Seitenpforten entspricht dem Verständnis der Ikonostase in der Symbolik des russischen Mittelalters (bis zum 16. Jahrh.).

In der Zwischenreihe oben sind die Ikonen der vier Evangelisten. Zum Festtag des einen oder anderen Apostels und Evangelisten kann die jeweilige Ikone herausgenommen und mit dem feierlichen Gesang des Polyeleos in die Mitte der Kirche getragen werden zur Verehrung durch die Gläubigen. In einem solchen Fall wird in den freigewordenen Platz die Ikone des heiligen Apostels Andreas eingesetzt.

In der oberen Reihe ist zentral die Deesis (Christus im Zentrum, rechts und links im Gebet auf Ihn hin - die Gottesgebärerin und Johannes der Täufer), an den Seiten, ebenfalls dem Erlöser betend zugewandt - der hl. Nikolaus und der Märtyrer-Zar Nikolaus II.

Oben wird die Ikonostase durch sieben Kreuze beschlossen - achtendige russisch-orthodoxe (4) und solche des keltischen Typus (3).

AltarAltarraum
Über dem Altartisch sehen wir in der Apsis den Heiligen Nikolaus in einem weissen Phelonion mit dunkelgrünen Kreuzen. In der linken Hand das Evangeliar haltend, segnet er mit der Rechten. In den Medaillons rechts und links - der den Heiligen segnende Erlöser mit Evangelienbuch und die Gottesmutter, die das Omophorion (das bischöfliche Schulterkleid) hält. Wie in der gesamten Kapelle ist auch hier der Hintergrund dunkelgelb.

Im unteren Rang umstehen vier Kirchenväter den Altartisch. Als Vorkämpfer für die Orthodoxie halten sie Schriftrollen in den Händen mit charakteristischen, ihren Werken entnommenen Zitaten. Im Zentrum stehen die Erzbischöfe von Alexandrien Cyrill und Athanasius mit Texten, die den Sohn Gottes betreffen: "Gott das Wort wurde Fleisch und wurde Mensch, eignete sich in allernächster Weise unser Fleisch und Blut an" (Hl. Cyrill), "Er ist der Glanz der Herrlichkeit und das Bild Seiner [=des Vaters] Hypostase" (Hl. Athanasius). Auf der Südseite befindet sich der Hl. Gregor der Theologe mit den Worten aus der Pfingstpredigt: "Der Heilige Geist ist Licht und Leben, und lebendige Erkenntnisquelle: der Geist der Weisheit, der Geist..."; auf der Nordseite ist der Hl. Markus von Ephesus, der die orthodoxe Unterscheidung zwischen den inneren Beziehungen der Dreieinigkeit einerseits und der Beziehung des dreieinigen Gottes zur Welt andererseits darlegt: "Einer ist der Vater, der eine Ursprung des Sohnes und des Geistes, und Eine ist die Dreiheit als der eine Ursprung alles Geschaffenen".

Wo Brot und Wein vorbereitet werden zur eucharistischen Liturgie, in der Nische der Prothesis auf der Nordseite, befindet sich die Darstellung der Geburt Christi, während in der Ecke auf der Nordwand selbst die Erwählung und Bischofsweihe des Hl. Nikolaus Thema ist. Der Engel hält die Schriftrolle mit den Worten: "Nikola soll Bischof sein". Auf der gegenüberliegenden Seite ist in der Südnische die Darstellung der drei Jünglinge, die im Schatten der Engelsflügel ihr Bekenntnis im Feuerofen ablegen, wie es im Buch Daniel erzählt ist. Öffnet sich also die Seitentüre der Ikonostase mit dem Propheten Daniel darauf, so öffnet sich auch der Blick auf das bei Daniel verzeichnete nachfolgende Ereignis, das täglich im Morgengottesdienst besungen wird (Lied 7 und 8), am feierlichsten aber am Karsamstag im Vorfest der Auferstehung.

Der Altartisch wurde von Valerij Yurtchenko gefertigt, der bereits die Abdeckung des Altartisches und die Prothesis in der Kathedralkirche geschnitzt hat. Nach der Weihe des Altartisches in der Kapelle ist vorgesehen, diesen ebenfalls mit Schnitzerei abzudecken, während der noch zu weihende Altartisch in der Hauptkirche unter die jetzige bereits geschnitzte Schale eingesetzt werden muss, was aber erst erfolgen kann, wenn die gesamte Kirche ausgemalt und vollendet ist.

Südwand
Vier wunderbare Geschehnisse aus dem Leben des Hl. Nikolaus schmücken die Südwand: die Rettung auf See, die Rettung der drei Jungfrauen (der dankbare Vater liegt dem Bischof zu Füssen), die Rettung der drei zu unrecht Verurteilten, die Rettung der Diözese des Hl. Nikolaus von der Hungersnot durch Umleitung des für Gallien vorgesehenen Korns nach Myra in Kleinasien - Oben: der Heilige erscheint dem Kaufmann im Traum und hinterläßt ihm als Anzahlung drei Goldstücke. Unten: Der Kaufmann leitet die Beladung der Schiffe.

Nordwand
Drei Fenster unterbrechen die nördliche Wand der Kapelle. Hier sehen wir drei von den unzähligen Wundern, die der Heilige Nikolaus nach seinem irdischen Ableben wirkte.

Das nächste zum Altar ist die wunderbare Rückkehr des Jünglings Vassili, der in sarazenische Gefangenschaft geraten war und als Sklave seinem Herrn gerade Wein bei einem Gelage eingiessen sollte, als er am Festtag des Hl. Nikolaus plötzlich, im Handumdrehen mit der Weinkaraffe inmitten des Festmahls stand, das seine trauernden Eltern zu Ehren des Heiligen für Bettler veranstaltet hatten.

Das mittlere erzählt über die Rückkehr des Augenlichts: Der serbische Thronerbe Stefan von Decani wurde vom eigenen Vater, dem König Milutin, geblendet und verbannt. Der Hl. Nikolaus erschien und tröstete Stefan mit den Worten: "Trauere nicht, Stefan! Siehe, Deine Augen sind in meiner Hand!" Die zweite Erscheinung erfolgte fünf Jahre später. Am Tage des Hl. Nikolaus, während der Lesung der Vita des Heiligen, erschien dieser dem Verbannten, unter strenger Aufsicht im Konstantinopler Kloster "Pantokrator" lebenden Stefan, und gab ihm das Augenlicht zurück. Stefan von Decani wurde nicht nur König von Serbien, sondern erwarb als Gerechter auch die Liebe des Volkes und das Wohlwollen Gottes, so dass er zu den Heiligen gezählt wird. Hier ist er mit Heiligenschein dargestellt, während der Lesung sitzend, mit dem Verband über den Augen, und der Heilige Nikolaus neigt sich segnend zu ihm hin. Diese Ikonographie gründet auf einer Miniatur der unteren Reihe der Ikone "Heiliger Nikolaus auf dem Thron" des serbischen Mönches Longin (1576-77, Kirche des Hl. Nikolaus, Metochien).

Das dritte Bild erinnert an ein Wunder am Ende des 11. Jh., das in Kiew den eigenartigen Namen "Nikolaus der Nasse" hervorbrachte. Ein frommes Ehepaar pilgerte nach Vyschegrad, wohin ein Bischof einen Teil der im Jahre 1087 aus Myra in Lykien nach Bari (Italien) überführten Reliquien des Hl. Nikolaus brachte. Bei der Rückkehr fiel der übermüdeten, eingeschlafenen Mutter ihr Säugling aus dem Arm in den Dnjepr-Fluss und ertrank - wie es schien unwiederbringlich. Aber das inbrünstige Gebet der Eltern an den Heiligen wurde erhört: Am nächsten Morgen fanden zwei Kirchendiener auf der von Außen abgeschlossenen Chor-Empore der Kiewer Sophien-Kathedrale unter der Ikone des Hl. Nikolaus einen weinenden Säugling. Er war nass wie soeben aus dem Wasser genommen, aber unbeschadet. Das Gerücht über den seltsamen Fund verbreitete sich wie ein Lauffeuer, erreichte die Eltern, die in die Kathedrale eilten und ihr Kind erkannten. In der Wandmalerei fehlen die gewöhnlichen Details: Der Küster und der Sänger, die das Kind fanden, das Schiff und sogar die Eltern - wir sehen nur den ertrinkenden Säugling, den segnenden Heiligen sowie das unter seiner Ikone liegende Kind. Seinerzeit wurde die Ikone "Nikolaus der Nasse" zur Patrons-Ikone in der Ikonostase der Seitenkapelle des Heiligen Nikolaus an der Kiewer Sophien-Kathedrale. Das Wunder war in ganz Russland bekannt und Kopien des Heiligenbildes wurden zu Hauptikonen in Moskauer und Nowgoroder Kirchen. Die Kiewer Ikone ging jedoch in der Tatarenzeit offenbar im 14. Jh. verloren und wurde durch eine Kopie ersetzt. Diese Kopie wurde 1943 in den Westen gebracht und steht, nach neuesten Erkenntnissen, seit 1963 in der neuerbauten Kirche der Allerheiligen Dreieinigkeit in Brooklyn (New York).

WestwandWestwand
Links am Durchgang von der Kapelle zum Hauptschiff steht der hl. Ephraim der Syrer. Dies entspricht wiederum der Thematik der Grossen Fastenzeit, da das Gebet des hl. Ephraim in dieser Zeit täglich oftmals kniefällig gebetet wird. Weiter folgen auf der Westwand die Heiligen, die jeweils an einem Fastensonntag (ausser dem Sonntag der Orthodoxie und Kreuzerhöhung) gefeiert werden: der hl. Johannes Klimakos (4. Sonntag), der hl. Gregorios Palamas, Erzbischof von Thessaloniki (2. Sonntag), und die hl. Maria von Ägypten, die in der Wüste jenseits des Jordans ihre Rettung fand (5. Sonntag).

Über dem Eingang in die Kapelle sehen wir die Verherrlichung der Gottesmutter, die sitzend in der Mitte mit dem Gottessohn auf dem Schoß dargestellt, den Lobpreis an Christus den Gottmenschen offenbart, wie er am Weihnachtsabend vorgetragen wird. Der Bogen um die Ikone trägt in kirchenslawischer Ornamentschrift den Text des Gesanges, der die Grundlage für diese Ikonographie ist:

"Was sollen wir Dir darbringen, Christe, dafür, dass Du erschienen bist auf Erden um unser, der Menschen willen? Ein jegliches Geschöpf, das von Dir geschaffen, bringt Dir Dank: Die Engel - den Gesang, die Himmel - den Stern, die Weisen - die Gaben, die Hirten - das Wunder, die Erde - die Höhle, die Wüste - die Krippe; wir aber bringen die Mutter-Jungfrau. Der Du vor allen Zeiten bist Gott, erbarme Dich unser!"

Oberer Rang
Die gesamte Kapelle wird oben von einer erzählenden Darstellung des Akathistos-Hymnos an die Gottesmutter gesäumt, die lediglich über dem Eingangsbogen vom besagten weihnachtlichen Lobpreis unterbrochen wird. Jedes Bild des oberen Ranges trägt die ersten Worte des jeweiligen Oikos (Strophe) oder Kontakion (Kurzstrophe) aus dem Akathist. Der erste Oikos beginnt mit den Worten: "Der vor Gott stehende Erzengel wurde gesandt, der Gottesgebärerin zu verkünden: Freue Dich!" Der Erzengel Gabriel befindet sich links vom Altarbogen, die Jungfrau Maria rechts. Weiterhin, gemäß dem Text des Akathist: die Begegnung mit der hl. Elisabeth, die Verwirrung des gerechten Joseph, die Geburt Jesu Christi, die Anbetung durch die drei Weisen aus dem Morgenland, dann deren Rückkehr nach Babylon, die Flucht des Gottessohnes nach Ägypten, die Begegnung (Darstellung im Tempel) u.s.w. Zum Erstaunen der Ikonenmalerin fügten sich alle den 24 Strophen des Akathist zugeordneten Darstellungen wie von selbst in den Raum - keinerlei Veränderungen oder Umrechnungen waren nötig.

Kappelle AussenansichtAussen
Über der Eingangstüre segnet der Hl. Nikolaus den eintretenden Gläubigen. Diese Darstellung entspricht dem Hl. Nikolaus im Altarraum. In der Nische rechts vom Eingang befindet sich die Ikone der Allerheiligsten Gottesmutter von Iveron (Athos), die "Portaitissa", die in ihrem myronspendenden, vom Athosberg stammenden Abbild von Montreal sowohl eine unmittelbare Beziehung zum wunderbaren Erwerb dieser Kirche hat, als auch eine außerordentliche Bedeutung für die gesamte Russische Auslandskirche in den letzten beiden Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts.
Autor: Erzp. Nikolai Artemoff
 

Kathedrale der Hll. Neumärtyrer und Bekenner Russlands in München

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